Sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen

Das Problem der sexuellen Gewalt an Mädchen und Jungen wird heute sehr ernst genommen und zunehmend thematisiert. Wir wissen, dass eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen betroffen ist und diese meist lebenslang unter den Folgen leiden.
Sexuelle Gewalt ist eine Erfahrung, der Mädchen und Jungen in ihrem Alltag begegnen.

Was ist sexuelle Gewalt?
Sexuelle Gewalt ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Mädchen / Jungen vorgenommen wird. Der Täter nützt dabei seine Machtstellung, seine Autorität, seine Überlegenheit aus, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen. Die sexuellen Handlungen dienen als Mittel zur Machtbefriedigung. Die Gewalttat wird in Gedanken vorbereitet, geplant und schließlich zu einem geeigneten Zeitpunkt an einem geeigneten Ort durchgeführt. Die Verantwortlichkeit liegt immer beim Täter.
Mädchen und Jungen, die sexuell missbraucht werden, erleben einen schwerwiegenden Vertrauensbruch. Sie spüren, dass sie einfach benutzt werden. Weil der Täter meist ein bekannte, verwandte, sogar sehr vertraute Person ist, steht der Vertrauensverlust im Mittelpunkt der schweren Auswirkungen und Folgen von sexuellen Gewalterfahrungen.

Das Ausmaß sexueller Gewalt
Im Jahre 2009 wurden im Zollernalbkreis 88 Menschen Opfer von Sexualstraftaten. Bei 51 von 107 registrierten Sexualstraftaten handelt es sich dabei um sexuellen Missbrauch von Kindern (unter 14 Jahren) (Kriminalitätsanalyse ZAK 2009). Aus der Dunkelfeldforschung wird deutlich, dass nur 10% bis 20% der sexuellen Gewalterfahrungen zur Anzeige gebracht werden. Die meisten Fälle werden also nicht über ein Strafverfahren bekannt und öffentlich erfasst. Sie bleiben ganz verschwiegen oder werden von den Betroffenen in einem geschützten Rahmen von Beratungsgesprächen und Therapien ausgesprochen und aufgearbeitet.
Wir wissen heute: 10 - 15% der Mädchen und 5 - 10% der Jungen erfahren während des Heranwachsens bis zu einem Alter von 14 – 16 Jahren mindestens einmal sexuelle Gewalt. Dabei sind alle Altersgruppen betroffen, die meisten sind noch keine 12 Jahre alt. (Lit.: Bange, D. in Bange, Deegener (Hrsg.): Handwörterbuch Sexueller Missbrauch, Göttingen (Hogreve) 2002)

Ursachen sexueller Gewalt
Gesellschaftliche Faktoren sind bei der Entstehung und der Aufrechterhaltung von sexueller Gewalt entscheidend:
- Sexuelle Gewalt ist alltäglich und begegnet uns überall: am Zeitschriftenkiosk, in visuellen
Medien genauso wie in Literatur, Kunst und Theater.
- Es herrschen nach wie vor stereotype Bilder von Mann und Frau, von männlicher und
weiblicher Sexualität. Hier werden den Geschlechtsrollen Täter- bzw. Opferseiten
zugeschrieben.
- Die meiste Gewalt geschieht im familiären Umfeld, wo sie leicht versteckt werden kann.
Von Außenstehenden wird sie aber dort nicht gerne wahrgenommen.

Die Täter
Im Täter treffen die gesellschaftlichen Vorbedingungen für sexuelle Gewalt mit deren Persönlichkeit und Lebenssituation zusammen. Ein kleiner Teil der Täter hat in seiner Kindheit selbst sexuelle Gewalt erlebt. Täter sind zu etwa 90% Männer aus allen Schichten, haben normale und durchaus gute gesellschaftliche Positionen, führen ein normales Familienleben. Aus Täterinterviews wissen wir, dass die Hälfte von ihnen erste sexuelle Übergriffe gegen Mädchen oder Jungen bereits im jugendlichen Alter (vor ihrem 16. Lebensjahr) ausübten.
Es ist entscheidend, Täter und Täterinnen für sexuelle Gewalthandlungen in die Verantwortung zu nehmen, um Opfer zu entlasten und langfristig eine gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen.

Wege zur Hilfe und Unterstützung für betroffene Mädchen und Jungen
Für Betroffene ist es unabsehbar, was geschieht, wenn sie ihr Schweigen brechen. Es kostet sie große Überwindung, den Täter zu beschuldigen. Das Schweigen der Opfer ist keinesfalls mangelnder Leidensdruck oder gar Einverständnis mit der Gewaltsituation, sondern Ausdruck der Ausweglosigkeit, die sie empfinden.
Unser Wissen um die Fakten und das Ausmaß sexueller Gewalt ist deshalb die grundlegende Voraussetzung, um Betroffenen Hilfe und Unterstützung anbieten zu können.

Gibt ein Mädchen oder ein Junge konkrete Hinweise auf sexuelle Gewalthandlungen, sind die angesprochenen Personen als Vertrauensperson gefragt. Zu glauben, zu unterstützen, zu vermitteln und stärkend zur Seite zu stehen ist allerdings eine schwierige Aufgabe. Hier ist es wichtig, dass auch für die helfende Person jemand erreichbar ist, der/die Erfahrung auf diesem Gebiet hat und umsichtig beraten kann.

Helfende Kontaktpersonen, interessierten Eltern und betroffene Frauen, Mädchen und Jungen finden auf diesen Seiten die Einrichtungen und Institutionen, die im Zollernalbkreis - und wo nötig und gewünscht in vertrauensvoller Zusammenarbeit - vielfältig Information, Beratung und Aufklärung anbieten und vermitteln.