Was kann ich tun, wenn ich sexuellen Missbrauch vermute? (Grundregeln)
Ruhe bewahren und nichts überstürzen!
Das Wissen oder die Vermutung, dass ein Mädchen oder Junge Opfer von sexueller
Gewalt war oder noch ist, löst große Betroffenheit aus. Es entsteht
der Wunsch, zu helfen oder sofort etwas zu unternehmen. Doch überhastetes
Eingreifen schadet nur, denn durch eine ungeplante und nicht abgesicherte Aufdeckung
kann das Mädchen / der Junge unter großen Druck geraten. Wir dürfen
auf die Stärke des Kindes / der Jugendlichen vertrauen, bis die richtige
und gezielt vorbereitete Hilfe möglich ist. Die Möglichkeit einer
strafrechtlichen Verfolgung durch Anzeige besteht immer. Eine Rechtsberatung
ist zu empfehlen.
Für sich selbst Hilfe beanspruchen!
Niemand ist in der Lage, alleine zu helfen. Im Gespräch mit Kolleginnen
und Kollegen und / oder mit den Fachpersonen von Beratungsstellen können
wir den Verdacht abklären, Hinweise zusammentragen, Möglichkeiten
und Grenzen einer Hilfe abwägen und einen Plan erarbeiten, wie dem Mädchen
oder dem Jungen geholfen werden kann. Es gibt kein Schema für eine angemessene
Hilfe. Die Zusammenarbeit mit Fachpersonen, die Erfahrung mit der Aufdeckung
von sexuellem Missbrauch haben, gibt Sicherheit und verteilt die Verantwortung
für den Fall auf mehrere Schultern. Jugendliche Mädchen und Jungen
müssen immer in die Entscheidungen einbezogen werden.
Voraussetzungen für die Aufdeckung von sexuellem Missbrauch in
der Familie!
Bevor eine Familie (meist die Mutter) mit dem Verdacht auf sexuellen Missbrauch
durch ein anderes Familienmitglied konfrontiert wird, muss der Schutz des
Kindes (meist durch eine räumliche Trennung von Täter und Opfer)
gewährleistet und vorbereitet sein. Dieser Schritt bedarf der fachlichen
Unterstützung.